KunstUnternehmen

KunstUnternehmen – Bernadette Hörder und Ulrike Israel

KunstUnternehmen – seit 2002

KunstUnternehmen ist eine Ateliergemeinschaft aus Karlsruhe: Bernadette Hörder und Ulrike Israel, Studium an der Kunstakademie Karlsruhe, freischaffende Künstlerinnen. Seit 2002 werden Kunst- und Kulturprojekte sowohl initiiert als auch durchgeführt.

Dabei geht es immer um die Verbindung unterschiedlicher Welten mit den Mitteln der Kunst. Die Form verbindet sich mit dem Inhalt und ermöglicht einen besonderen Zugang jedes Einzelnen sowohl zu sich selbst als auch zum Gegenüber.

Karlsruhe ist eine Erstaufnahmestelle (LEA) für Asylbewerber. Dies bedeutet, dass Flüchtende hier ankommen und auf ihren Transfer warten, oder schon in der Umgebung den Weg der Integration gehen. Die ehrenamtliche Tätigkeit in der Flüchtlingshilfe ermöglicht es uns, Projekte zwischen Kunst und Gesellschaft auf diese besondere Situation zuzuschneiden. Ziel ist es, auf die neu Angekommenen zuzugehen, sie mit hier Lebenden zusammenzubringen, sie zu begleiten und zu unterstützen.

Die Kunst ist Werkzeug und Mittler außerhalb des Ateliers, ist nicht nur Akt der Versenkung in die eigene Schaffenskraft, sondern kann im gemeinsamen Tun auf die Veränderungen in unserer Gesellschaft reagieren. Themen können in die Öffentlichkeit gebracht werden und es entstehen so auch positive Impulse für Nachfolgeprojekte. Diese Kontinuität ist wichtig, um an der Integration mitzuwirken. Mit all dem Neuen, das in den Projekten entsteht, profitieren auch wir enorm und sehen, wie reich die verbindende Schaffenskraft machen kann.

Kuratierte Projekte von KunstUnternehmen – Übersicht

Begleitet wurden die Installationen im öffentlichen Raum durch Vorträge, Interviews, Podiumsdiskussionen und Ausstellungen, u.a. beim DIHK-Arbeitskreis in Essen, im Kulturinstitut des Landes Ungarn in Stuttgart, im Kunstverein Freiburg, bei einem HfG-Workshop und im Landesmuseum Karlsruhe.


Trilogie der Religionen, 2002

Studentenwerksaal Karlsruhe

Als Reaktion auf den 11. September 2001 wurde ein Fest der Kulturen initiiert. Gruppen, Vereine und Künstler aus unterschiedlichen Bereichen und Nationen kamen zusammen. Dadurch wurde bewusst ein Zeichen der Gemeinsamkeit in Karlsruhe gesetzt. Stellvertretend für die drei Weltreligionen trafen sich drei Oberhäupter aus dem Islam, dem Judentum und dem Christentum, um ein Friedensfest zu feiern. Dazu gab es zahlreiche kulturelle und musikalische Beiträge, zudem ein Büffet von 18 verschiedenen Volksgruppen.

Diese große Veranstaltung bot den Menschen eine zu dieser Zeit wichtige Möglichkeit, in Kontakt zu treten und sich auszutauschen. Von Beginn der einjährigen Vorbereitungszeit bis zum Tag des Festes gab es einen großen Zuspruch und die Begeisterung immer neuer Teilnehmer.

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Kunst und Wirtschaft, 2005–2007, Offenburg

Konversion eines Militärgeländes zum Kulturgelände – Ausstellung auf dem Platz der Verfassungsfreunde

Produzierende Unternehmen wurden mit Künstlern aus Strasbourg, Freiburg und Karlsruhe zusammengebracht und bauten Skulpturen für die Ausstellung.

Zwei unterschiedliche Welten trafen sich am gemeinsamen Schnittpunkt von Material und Herstellung. Die Kooperation mündete nach einer Anlaufphase in eine fruchtbare Zusammenarbeit, bei der beide profitierten: Auf Unternehmensseite konnte der kreative Ansatz begleitet werden, der Künstler hatte das Know-how des Unternehmens mit seinen Möglichkeiten zur Verfügung. Beide konnten sich anschließend im öffentlichen Raum damit präsentieren und erlebten großes Medieninteresse und Besucherzuspruch.

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Europäische Kulturtage Karlsruhe – „Luftlinie Karlsruhe – Budapest“, Kunst und Wirtschaft, 2008–2010

Skulpturenausstellung am Schloss

Dieses Projekt war ein Austausch zwischen zwei Kulturen, dem ehemaligen Osten und dem Westen. Während unserer Reisen in Ungarn nahmen wir die Unterschiede in vielen Bereichen wahr. Umso spannender schien es uns, an einer gemeinsamen Idee zu arbeiten, zu kommunizieren und Gemeinsamkeiten zu entdecken.

Teil A diente als Auftakt dieses Projektes und stellte die Verbindung zwischen den beiden Städten symbolisch dar: Es wurde eine ca. 5 km lange, farbige Linie durch den Stadtraum Budapest sowie durch Karlsruhe gezogen.

Teil B beinhaltete die Zusammenarbeit von Künstlern und Unternehmen in Karlsruhe. Es wurden Skulpturen und Installationen zum Thema geschaffen. Diese Arbeiten wurden im Schlosspark gezeigt und von mehreren Workshops begleitet. Wie bei der Ausstellung in Offenburg profitierten die Beteiligten von den entstandenen Möglichkeiten, von einer großen Öffentlichkeit und überregionaler medialer Aufmerksamkeit. Diese mündete in die Präsentation vor dem Deutschen Pavillon bei der Expo in Shanghai 2010.

Equilibre – Black Bank, 2010

Edelstahl, Gummi – 8 m lang, 5 Gummisitze. Beitrag von Ulrike Israel in Kooperation mit Michelin Karlsruhe.

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Kunstkurs für unbegleitete minderjährige Asylbewerber, Karlsruhe 2014

In kleinen Gruppen wurden die Jugendlichen schrittweise auf ein künstlerisches Arbeiten eingestimmt. Sie schrieben ihren Namen, gestalteten ihn wie Graffitis und gingen dann zu großen Formaten über.

Zum Sportevent in der Stadt zeichneten sie ihre Umrisse auf den Gehweg und malten diese farbig aus. Ziel war es, sie zur Ruhe kommen zu lassen, zur Konzentration, ihnen die Gelegenheit zu bieten, wahrgenommen zu werden und sich gemeinsam einzubringen.

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Karlsruher Wochen gegen Rassismus 2014 – „Weiße Fahnen im Wind“

Ein interkulturelles Projekt mit Schulen aus Karlsruhe – Lessinggymnasium

Kinder aus unterschiedlichen Schulen aus Karlsruhe beschäftigen sich mit dem Thema des „Fremden“ und dem „Anders-Sein“. In Form einer gemeinsamen Aktion arbeiteten in diesem Jahr Schüler des Lessinggymnasiums und ließen vier 7 m lange, kunterbunte Fahnen auf weißem Hintergrund entstehen.

Sie sind Symbol einer demokratischen Aktion der Jugend, für ein Miteinander und ein Zeichen des Zusammenhaltes aller in der Stadt Karlsruhe.

Musikalische Präsentation beim Abschlussfest im Tollhaus mit dem Deutsch-Afrikanischen Verein.

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Jugendprojekte in der Landeserstaufnahmestelle Kriegsstraße, Karlsruhe 2014–2016

Deutschunterricht und Kinderbetreuung, Kurse für Jugendliche im Jubez

Die Kriegsstraße war Anlaufstelle für bis zu 700 Geflüchtete, sie wurde vom EHC betrieben. Die ehemalige Militärverwaltung war, wie viele Gebäude, dafür nicht vorgesehen und verfügte nur über improvisierte Sanitäranlagen. Das gelieferte Essen war ungewohnt und landete wegen seiner schlechten Qualität zum großen Teil im Müll. Auf engstem Raum und ohne Hygienemaßnahmen erwartete die Geflüchteten ein harter Alltag, ohne Beschäftigung und mit rudimentärer medizinischer Versorgung.

Der große Helferkreis von Ehrenamtlichen versuchte, die Umstände zu verbessern, z.B. mit Kleiderkammer, Deutschkursen und Kochevents. Die Projekte mit Aktivitäten waren besonders geeignet, den Stumpfsinn eines ungeregelten Alltags zu lindern. Für die Kinder und Jugendlichen, die besonders unter der Situation von Flucht und Camp litten, entstand eine kleine Schule und regelmäßige Betreuung.

Aktivitäten im Jubez wie Modellieren, Verkleiden, Tanzen, Spielen, Sprachförderung, Computer etc.

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JUX Festival 2015

Ein Kulturprojekt zur Integration von jugendlichen Geflüchteten

Beim Besuch von Kursen der hiesigen Kulturinstitutionen wie ZKM, HfG, Kunsthalle, Landesmuseum, Stadtjugendausschuss und Zirkus Maccaroni entstand Kontakt, Austausch und Vernetzung.

Kunst und Kultur kann mit ihrer identitätsstiftenden und dialogfördernden Wirkung Brücken bauen – wie hier für Jugendliche, die nicht in die Schule gingen und keinen geregelten Tagesablauf hatten. Die Neugierde und Begeisterung sprachen für sich.

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Wochen gegen Rassismus 2015 – Anne-Frank-Schule

Geflüchtete Kinder gestalten gemeinsam mit Klassen der Anne-Frank-Schule Fahnen für die Fassade

Die Mittel der Gestaltung waren die Kinder selbst, indem sie sich gegenseitig Leuchtschnüre anbrachten. Im Kontakt, beim gemeinsamen Tun entdeckten sie viele Gemeinsamkeiten, bis hin zur Muttersprache.

Die entstandenen Fotos wurden von HfG-Studenten bearbeitet. Der Inhalt wurde zur Form und wirkte als Zeichen nach innen und außen.

2015 wurden die Fahnen auch beim internationalen ECCAR-Kongress in der Gartenhalle gezeigt.

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Lebensleitern in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe, 2015–2016

Ein Projekt mit Geflüchteten und hier Lebenden

In regelmäßigen Treffen wurde in den Räumen der Evangelischen Gemeinde an einer Installation für die Stadtkirche geknüpft – ebenso an Kontakten von hier Lebenden und Geflüchteten. Beim gemeinsamen Kochen lernten wir ihre (Ess-)Kultur kennen, spielten, redeten, füllten Formulare aus und unterstützten bei den vielen Anliegen im komplizierten Alltag. Die Installation der Strickleitern im Kirchenraum war Sinnbild dafür.

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Bauwagenprojekt „Heimat finden in der Fremde“, 2016

Für die Heimattage im Rahmen der Europäischen Kulturtage Karlsruhe

Im Flüchtlingscamp der Kriegsstraße wurden drei gespendete Bauwagen kernsaniert und mit Hilfe von Profis zusammen mit den Bewohnern neu aufgebaut.

Karlsruhe ist Landeserstaufnahmestelle und das Projekt ist auf diese Situation zugeschnitten. Es entstand ein geschützter Raum für Kinder, der künstlerisch gestaltet wurde und in seiner Farbigkeit für eine bunte Gesellschaft steht.

Heute befinden sich die drei Bauwagen im Schulbauernhof am Parzival-Schulzentrum und werden von minderjährigen Flüchtlingen auch in der Notfallpädagogik genutzt.

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„Kein Haus für alle“ – Heimattage Karlsruhe 2017

Regelmäßige Treffen von Geflüchteten und hier Lebenden im Gemeindesaal der Evangelischen Stadtkirche

In weiteren Treffen im Gemeindehaus der Evangelischen Stadtkirche wird das kreative Miteinander fortgeführt. Es wird wieder gekocht und nebenher Deutschunterricht erteilt, es werden Hausaufgaben gemacht und es findet soziale Beratung für die Geflüchteten statt. Gerade was Praktikums- und Ausbildungs- sowie Wohnungssuche angeht, hat sich der Freitags-Treff zu einer echten Plattform entwickelt.

Stahlmatten werden mit Absperrband beflochten – sie bilden das Grundgerüst für das 5 m hohe Haus vor dem Schloss. Außerdem wird eine begleitende Installation im Landesmuseum aufgebaut, mit einem beschrifteten Holzmodell, Absperrband und Fotos. Beim gemeinsamen Tun entsteht eine Gemeinschaft, etwas Vertrautes.

Medienbericht: epd – „Ein farbiges Symbol gegen Abschottung: Kein Haus für alle“ (2.6.2017)

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Karlsruher Wochen gegen Rassismus 2017 – Schillerschule

Eine Kooperation von KunstUnternehmen mit der Schillerschule

Jugendliche aus der VKL arbeiteten mit den Regelklassen zusammen – es war die dritte Schule im Projekt „Weiße Fahnen im Wind“.

Im gemeinsamen kreativen Prozess wurde der Kontakt innerhalb der Klassen gefördert: Über das Thema Farbe begann der Austausch, über Kontur der direkte Kontakt, die 10 m langen Papierrollen schufen das gemeinsame Format.

Nach außen wird die Idee einer bunten Gesellschaft im Stadtbild verankert, nach innen wirkte sie bei den Beteiligten. Weitere Schulen werden folgen, damit immer mehr Fahnen entstehen und das Thema in der Bildung weiter thematisiert wird. Bisherige Beteiligung: Lessingschule, Anne-Frank-Schule, Schillerschule.

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Fassadengestaltung für das Kinder- und Jugendhaus Durlach, 2017

Ein interkulturelles Projekt mit unterschiedlichen Altersgruppen

Die drei verschiedenen Altersgruppen gestalteten je eine 10 m lange Papierrolle, indem sie gegenseitig ihre Kontur auf dem Papier festhielten. Nach einer Einführung in das Thema Farbe, Farbverläufe, Linie etc. wurden Abtönfarben gemischt. Dem Alter entsprechend wurden die Silhouetten mit selbst angemischten Farben und großen Pinseln ausgemalt. Das Ergebnis wurde auf Fahnenstoff gedruckt und an der Fassade angebracht.

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„Aus gutem Grund – Ein Platz für alle“

Eine Gestaltung des Marktplatzes Karlsruhe zum 70-jährigen Jubiläum des Grundgesetzes

Schon aus der Historie erhebt die Stadt Karlsruhe den Anspruch einer Vorreiterrolle für Demokratie. Die Rede ist von einer weltoffenen Stadt mit Freiräumen, einem großen Kulturangebot und südländischer Lebensweise. Der Marktplatz hat als Stadtzentrum durch die Pyramide, das Rathaus und die Stadtkirche einen besonderen Stellenwert.

In diesem partizipatorischen Kunstprojekt arbeiten Menschen aus unterschiedlichen Bereichen zusammen: Geflüchtete und hier Lebende gestalten gemeinsam diesen öffentlichen Platz. Das Thema Grundgesetz, Demokratie und Menschenrechte wird von der ganzen Gruppe in Form eines großen Netzwerks aus weißen Linien direkt auf den Asphalt aufgebracht. Ein Teil der Linien besteht aus Zitaten aus dem Grundgesetz, wobei die Buchstaben direkt durch den dunklen Ton des Asphalts gebildet werden – die weiße Farbe der Linien begrenzt diese Buchstaben in der Negativform. Auf diese Weise befindet man sich im direkten und im übertragenen Sinne auf dem Boden des Grundgesetzes.

Die partizipatorische Intervention stellt eine besondere Möglichkeit dar, das Thema Recht in unserem Stadtzentrum zum Jubiläumsjahr 2019 als Auftakt der Feierlichkeiten zu positionieren. Eine Zusammenarbeit u.a. mit dem Verfassungsgericht sowie zahlreiche Aktionen im Pavillon und vor dem Rathaus mit Beteiligung verschiedenster Altersgruppen rücken den Marktplatz über drei Wochen in den Mittelpunkt.

Kooperationspartner: Bundesverfassungsgericht Karlsruhe, Kulturamt Karlsruhe, Flüchtlingshilfe Karlsruhe e.V., Netzwerk von Ehrenamtlichen, Amnesty International

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